Der Kurfürsten-Kiez zwischen Potsdamer Straße, Bülowstraße und Schöneberger Ufer ist berüchtigt für sein Rotlichtviertel. Hier entstehen exklusive Eigentumswohnungen. Abnehmer sind vornehmlich Chinesen, denen man die “verruchte” Lage aus der Fernsicht besser verkaufen konnte.

Die Berliner Zeitung schreibt zu Alexander Harnisch von Diamona & Harnisch, dass man ihn für mutig oder naiv halten kann. Er ist der Planer des “Voltaire-Carrés” an der Ecke Kurfürstenstraße/Else-Lasker-Schüler-Straße, wo fünf Häuser mit insgesamt 127 Ein- bis Fünf-Zimmerwohnungen zu Quadratmeterpreisen von 4200 bis 7400 Euro entstehen sollen. Die teuerste Wohnung soll 1,8 Millionen Euro kosten. Für Normalos unerreichbar, aber gemessen an der guten Lage doch recht günstig – bedenkt man, dass in Berlin mittlerweile auch schon mal 22.000 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen in “bester Lage” gezahlt werden.

In Berlin sind diese Lagen jedoch zunehmend schwieriger zu bieten. Dabei ist die Hauptstadt bei ausländischen Käufern heiß begehrt: “Chinesen sind ganz wild auf Berliner Wohnungen”, so Harnisch zur Berliner Zeitung. Nachfrage bestimmt das Angebot. Aus dieser Sicht kann man auch den Immobilienwert eines Rotlichtviertels in zentraler Lage als zukünftiges Filetstück berechnen.

Das Carré Voltaire stellt sich und den Kiez so vor:  “Kultur, Shopping, Erholung – alles nur einen Katzensprung entfernt.” Die “Makel” dieser Lage lässt man dezent aus.

Carré Voltaire  kurfürstenstraße

screenshot carré-voltaire.com

Immobilien-Zeitung.de schreibt dazu:
Seit Jahr und Tag steht die Meile für einen Straßenstrich der ganz billigen Sorte. Hunderte Bordsteinschwalben gehen hier dem horizontalen Gewerbe nach, halbe Kinder oft mit osteuropäischen Wurzeln bibbern Nacht für Nacht in der Kälte. Da mag es klug sein, die zwischen 4.181 und 7.350 Euro/qm teuren Wohnungen zunächst in Fernost zu verkaufen.

Doch auch Harnisch gibt zu: “Irgendwann kommt jeder Käufer mal her und sieht was hier los ist.” (Quelle). Deswegen wird auf eine langfristige Aufwertung gesetzt, in der Hoffnung für Planer und Investoren, dass das Rotlichtmillieu “verträglicher” wird. “Stadtreparatur”, nennt das Dirk Germandi, der schräg gegenüber vom Carré Voltaire für rund 50 Millionen Euro Wohnungen errichten lässt, so Immobilien-Zeitung.de

Demgegenüber fürchten viele Anwohner die Auswirkungen der Baumaßnahmen:
„Wir haben Angst vor steigenden Mieten. So belastend der Strich auch ist, derzeit ist er unser Schutz.“ sagte der Sprecher einer Anwohnerinitiative der Berliner Zeitung.

Dem Kurfürsten-Kiez steht nicht nur ein baulicher Wandel bevor. Es wird sich einiges verändern, mögliche positive und negative Effekte für Anwohner inbegriffen.