“Willkommen in einer der schönsten und größten Parkanlagen Berlins” – damit wirbt der Veranstalter des in mehreren Ländern tourenden Konzertevents Lollapalooza für seine neue “Event Location”. Yippie.

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Am poppigen Line-Up mit national wie international bekannten Publikumsmagneten können sich derweil nicht nur die recht üppig zahlenden Ticketinhaber freuen, auch Kultursenator und Ex-Universal Music Group Chef Tim Renner muss ganz froh über dieses Event sein, das natürlich auch immer dem Stadtmarketing zugute kommt.

Zunächst sollte das Festival auf dem Tempelhofer Feld stattfinden, das aber mittlerweile für die Unterbringung von flüchtenden Menschen genutzt wird. Nun sollen die erwarteten vierzig- bis fünfundfürzigtausend Besucher für zwei Tage im Treptower Park feiern dürfen. Jedenfalls wenn es nach dem Veranstalter geht.

Mit der tollen neuen Location im Treptower Park haben wir einen Ort gefunden, der mit seinen einzigartigen Gegebenheiten und Energien sowie seinem Charme ganz wunderbar zu Lolla Berlin passt. Nicht nur werden wir ihn hegen und pflegen, sondern wie unseren eigenen Garten im Herzen der Stadt behandeln. Unser Plan ist, mit dem diesjährigen Lollapalooza etwas Nachhaltiges vor Ort zu schaffen”, verkündet die Festivalleiterin auf der Event-Homepage.

Die auf Öko-Charme und Berlin-Liebe setzende Beschwichtigungstaktik der Veranstalter wirkt angesichts eines so groß angelegten und breit beworbenen Events absurd. Anwohner und Naturschützer fürchten zurecht die hohe Lärm- und Müllentstehung und die Zerstörung der gerade erst für rund 13 Millionen Euro neu gestaltelten Grünanlagen. Eine Online-Petition bringt diese Gegenstimmen jetzt zusammen.

Alternativloser Party-Park?

Der im 19. Jahrhundert angelegte Treptower Park ist einer der größten Grünanlagen Berlins und bietet eine (aus eigener Erfahrung zu bestätigende) wunderschöne, urige Flora und Fauna. Die Insel der Jugend, das Sowjetische Ehrenmal, der ehemalige Spreepark und der dichte Plänterwald – hier finden sich abenteuerliche, nostalgische und schützenswerte Rückzugsorte. Die Erneuerung der großen Parkwiesen wäre laut Auskunft des zuständigen Baustadtrats nur ein Posten auf der längeren Rechnung, die nach der großen Party anfallen würde.

Und da der Treptower Park zunächst wohl ernsthaft alternativlos sein soll, steht Berlin im schlimmsten Fall sogar eine Regressforderungen in Millionenhöhe bevor, die die Veranstalter bei einer Absage des Festivals geltend machen können. Schön, wenn man so erpressbar is, nich wahr …

Doch auch wenn die Festivalveranstalter schon vollmundig mit der neuen “Party-Park-Location” Werbung machen, ist de facto offiziell noch nichts entschieden. Eine Genehmigung hat der Bezirk Treptow-Köpenick nämlich noch gar nicht erteilt. Mit einer Entscheidung wird nicht vor Ende April gerechnet.

Zeit also noch für die Petition.

Und bevor hier irgendwer mekelt “mimimimi,  hier in Berlin sind doch immer alle gegen alles und so” – es bleiben schlichtweg die vielen, eben wirklich validen Argumente gegen einen Party-Park. Die sollten dann auch zu einem ernstgemeinten Interesse an der Alternativenfindung führen. Trabrennbahn Karlshorst, Olympiastadion, BER … es sollte doch möglich sein, eine Ausweichmöglichkeit zu finden, um nicht ein Stück beschützenswerter grüner Lunge in unserer Stadt unnötig plattmachen zu müssen. Es hat nichts mit Party-Pooper-Mentalität oder Spießigkeit zu tun, wenn man als Anwohner/Naturliebhaber/pragmatisch denkender Mensch gegen eine Veranstaltung protestiert, die kommerziell kalkulierend eines der schönsten, schützendwertesten Areale, für die Berlin eben auch “gefeiert” wird, unnötigerweise zum Festivalgelände deklarieren will.

Oder mit den Worten, wie sie diese FB Seite formuliert:

Auch wir sind private Bürger, Menschen, die nichts gegen Festivals etc. haben, Musik ist geil, solange sie nicht als Eintrittskarte der Spekulanten in Parks und Flächen der Bürger mißbraucht wird.

Bitte an ernsthaften Alternativen arbeiten …