Trotz Baubooms finden immer weniger Menschen bezahlbaren Wohnraum. Knapp die Hälfte der Haushalte in Großstädten kämpft um rund zehn Prozent an freien, bezahlbaren Wohnungen.

Eine Datenerhebung der beiden größten Immobilienportale, Immowelt und Immoscout, legt die Diskrepanz zwischen Bedarf und Bestand an günstigem Wohnraum dar. Es wurden Mietwohnungsangebote von Januar bis September 2015 für acht deutsche Großstädte ausgewertet.

In Berlin haben 55 Prozent der Haushalte ein so geringes Einkommen, dass ihnen eigentlich eine öffentlich geförderte Wohnung zusteht. Eigentlich, denn bezahlbare Wohnungen, besonders Sozial-Wohnungen, werden viel zu selten gebaut und gefördert. Der so genannte Wohnberechtigungsschein ist auf dem freien Mietermarkt ein wertloses Papier. 90 Prozent der Wohnungen bleiben für eine wachsende Einwohnerschicht mit niedrigem Einkommen unbezahlbar. Die Mieten in der Hauptstadt sind seit 2010 um 45 Prozent gestiegen.

Wohnungsnot gentrifizierung missverhältnis

De Facto haben Geringverdiener, Alleinerziehende, Studenten, Hartz-IV- und Sozialhilfeempfänger nach wie vor auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance. Gentrifizierungsprozesse bleiben unabgefedert, eine wachsende Gesellschaftsspaltung zwischen Arm und Reich und der Konkurrenzkampf um Wohnraum wird durch eine sozial unverantwortliche Wohnungsbaupolitik begünstigt. Jedes Jahr ziehen rund 40.000 Menschen nach Berlin und wir brauchen vor allem auch Wohnungen, die den akut notleidenden Flüchtlingen ein menschenwürdiges Ankommen ermöglichen.

Solange nur die wirtschaftliche Profiteffizienz als Anreiz gilt, um Wohnungen für alle zu schaffen, wird sich vermutlich nichts ändern.

Der Bau von günstigen Wohnungen lohnt sich für viele Investoren nicht mehr. Für sie sind Wohnungen mit Mieten unter zehn Euro kaum noch profitabel. Grund sind die gestiegenen Grundstücks- und Baukosten, strengere Energieeffizienz-Vorschriften und zu wenig finanzielle Anreize durch Wohnraumförderung.

Derartige Verteilungskämpfe sind vorprogrammiert, das friedliche, soziale Zusammenleben zu gefährden. Inklusion statt Exklusion, Lebensraum für alle statt Luxus für wenige – gerade in dieser Zeit, gerade um “Wutbürger”-Exzesse, gesellschaftliche Verteilungskämpfe und das gefährliche Wachstum von Sozialneid zu verhindern, sollte man – verdammt nochmal – endlich handeln!

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